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  • Esaite-Berichte: CORT Hiram Bullock Signature HBS
     

 

 

In Zusammenarbeit mit Hiram Bullock wurde bei Cort für ihn ein Signature Modell auf Basis seiner Motoyama-Gitarre entwickelt, das an seine

alte HSH bestückte Fender Strat erinnert. Von diesem koreanischen „HBS“ Modell kamen verschiedene Serien mit leicht unterschiedlicher Ausstattung und stark abweichender Qualität auf den Markt. Einige der Eckdaten habe ich nachstehend kurz aufgeführt. Den besten Ruf hat nach wie vor die erste Serie. Die ersten beiden vorliegenden Exemplare stammen aus der 2. Baureihe. Ich konzentriere mich zunächst auf das schwarze Modell mit Mapleneck.

 

 

 

 

Das Gewicht der Gitarre liegt bei 3,95 Kilos.

Der Eschen-Korpus weist ein Stärke von 45,0 mm auf.

Die Materialstärke der Kopfplatte liegt bei ca. 13,6 mm.

 

Die komplett in Wachs gebadeten Mighty Mite Original-Humbucker der Cort Hiram Bullock verschwanden zugunsten von Seymour Duncans

P-Rails. Diese Abnehmer beherbergen in einem Gehäuse an sich einen strat-style Singlecoil-Blade-Pickup nebst einem gibson-style P90-Pickup.

Zusammengeschaltet können beide auch als Humbucker arbeiten. Folgende Standard-Schaltungen wären mit den beiden zu realisieren:

 

2-Weg-Schaltung: Strat-Singlecoil plus P90

3-Weg-Schaltung: Strat-Singlecoil, P90 plus Humbucker

4-Weg-Schaltung: Strat-Singlecoil, P90, Humbucker plus Parallelbetrieb

 

 

 

 

Duncan bietet dazu auch passende Pickuprahmen mit unauffällig integrierten Schaltern an oder man bedient sich normaler Mini-Switches,

wenn man sich nicht scheut, kleine Löcher dafür zu bohren. Verschiedenste Schaltzustände bekommt man aber auch über Push-Pull-Potis

(habe ich in einer Hamer Sunburst probiert) konfiguriert.

 

Wie hier schon an anderer Stelle erwähnt, nochmal meine Verwendungstipps: P-Rails machen sich besonders gut in Strats und Teles mit Humbuckerfräsung. In der Halsposition würde ich den Pickup auch mal anders herum einbauen. Ich fand den Singlecoil mit Klinge direkt

am Hals einfach besser, statt dort den P90 (natürlich auch Einspuler) sitzen zu haben.

 

Als Pickup-Widerstände messe ich in KOhm bei den Duncans folgende Werte:

 

   Bridge Singlecoil 8,43, Bridge P90 10,17, Bridge Humbucker 18,25

   Middle Singlecoil 2,56 (Duncan Vintage-Rail)

   Neck   Singlecoil 5,51, Neck   P90   7,11, Neck   Humbucker 12,47

 

Die Halsmaße habe ich wie folgt festgestellt;

 

   Halsbreite am Sattel 43,3 mm

   Halsbreite am 5. Bund 47,8 mm

   Halsbreite am 12. Bund 52,2 mm

 

   Halsstärke am 1. Bund 21,3 mm

   Halsstärke am 5. Bund 22,0 mm

   Halsstärke am 12. Bund 23,8 mm

 

Two-Point-Trem mit leichtem Stahl-Block (Wilkinson VS50II)

Breite der Saitenreiter 10 mm (US-Strat 11,2 mm)

Ahornhals, einteilig mit Ahorngriffbrett (Birdseye)

 

   Saitenabstand E zu e (Saitenmitte) Brücke 52 mm (wie PRS SE EG Tremolo)

   Saitenabstand E zu e (Saitenmitte) 12. Bund 43 mm

   Saitenabstand E zu e (Saitenmitte) am Sattel 35 mm

 

 

 

 

Erst wenige Jahre vor seinem Ableben im Sommer 2008 interessierte ich mich etwas tiefgehender für das vielseitige musikalische Schaffen

von Hiram Bullock. Die Sendung „Saturday Night Live“ auf VH-1 machte mich vor jetzt schon langer Zeit erstmals auf den allzeit barfüßig

herumlaufenden Gitarristen aufmerksam.

 

Damals waren meine Ohren allerdings mehr auf George Duke, Will Lee, David Sanborn und die anderen Spitzenleute gerichtet. Hirams Spätwerk

rechne ich CDs wie „Color Me“, „Try Livin it“ und „Too Funky 2 Ignore“ zu. Auf denen bot Hiram Bullock meist abwechslungsreiche, Stil übergreifende, energiegeladene Musik an (Schmachtschnulzen inklusive). Sein Grundfeeling würde ich dem Blues zuordnen.

Oben drauf setzte er je nach Bedarf und Laune Rock, Jazziges und groovigen Funk. Ich hatte mir eigentlich noch einiges Spannendes mehr aus seiner Fusion-Ecke versprochen – gut, sollte aber nicht sein. Oh, einen hab ich noch: Mit Billy Cobham und der WDR Bigband gab es eine Live-CD namens

„Plays the Music of Jimi Hendrix“. Ein Freund machte mir die Freunde und schenkte sie mir vor gar nicht allzu langer Zeit - lohnenswert!

Zu seinen Hinterlassenschaften gehören halt auch diese Gitarren von der Firma Cort. Also, medias res:

 

Die Cort „HBS“ hängt bestens an ihrem Gurt, wobei die elegant versenkten Gegenstücke (female) zu den Gurtbefestigungshaltern/Straplocks (male) keine alternative Befestigungsweise ermöglichen, wenn man mal den Gurt vergessen hat. Dergleichen hatte ich bereits bei der Warwick Corvette bemängelt: Hast Du den Gurt gerade mal nicht dabei, spielste im Sitzen – großes Kino! Altersgerechtes Musizieren im anatolischen Rentnerverein.

 

 

 

 

Der hübsch gemaserte Hals (nicht zu flaches D-Profil) wurde mit Vintage-Bünden bestückt. Das heißt, die selbigen sind flach und schmal ausgefallen.

Da ist dann beispielsweise zum Abrichten nicht viel Fleisch vorhanden. Dadurch könnte unter Umständen der eine oder andere auf die Idee kommen,

auch in der Spielweise tendenziell eher auf eine traditionelle Handhabung ausgerichtet zu sein.

Dies kann ich so nicht bestätigen und es entspräche ja gleichfalls nicht den Ansprüchen von Hiram Bullock.

Insgesamt okay, aber an dieser Stelle nicht meine erste Wahl.

 

Als Wirbel wurden Sperzel Trim-Lock Tuners verwendet. Die Achsen für die G-, H- und Esaite sind flacher (geringere Höhe) als die, für die

E-, A- und D-Saite, um prinzipiell bei passendem Kopfplattenwinkel auf einen Saitenniederhalter verzichten zu können, da der Andruck im Sattel ausreichen könnte.

 

Hier sind allerdings 2 String Trees montiert, so dass theoretisch lediglich die E- und A-Saite davon profitieren könnten, wenn man die flacheren Tuners hier hin versetzt. Tatsächlich habe ich aus diesem Grunde die Mechaniken für G- und A-Saite getauscht. Insgesamt ist das Spielgefühl aber vertraut

und nicht nur deshalb sehr angenehm. Die Rändelschrauben für den Klemmmechanismus sind mit einem relativ schmalen Rand versehen.

Mir ist das nicht griffig genug. Hipshots oder Schallers gefallen mir in dieser Hinsicht besser. Ein einfacher Rollensattel ist vorhanden.

 

 

 

 

Wie man an der „upgegradedten“ Pickup-Bestückung ablesen kann, ist die Hiram Bullock Signature mittlerweile ein echtes Multitalent.

Die neuen Tonabnehmer sind den alten etwas dunkel wirkenden Kameraden (gut für Jazz?) haushoch an Klangqualität und Vielfältigkeit überlegen.

Genau genommen hat man 3 Gitarren in einer. Auf die erheblichen Kombinationsmöglichkeiten der Pickups brauche ich wohl nicht weiter einzugehen.

Hier sind es 2 kleine 3-Weg-Schalter, über welche die Anwahl P-Rails erledigt wird. Nach dieser Vorwahl findet man mit dem 5-Weg-Schalter

die üblichen Strat-Varianten. Da hat doch jemand fast einen Orden verdient?

 

 

 

 

Jetzt wäre es natürlich toll, wenn der Seymour mit seinen Mannen anfängt, unterschiedlichste Strat-Pickups und P90-Typen zu P-Rails zusammmen zu setzen. In seinem Programm hat er ja schließlich bereits diverse Varianten, die sich auf P-Rail-Basis kombinieren ließen. Optisch kann ich mir gut einen Hybriden vorstellen aus Vintage Strat-Singlecoil (6 Polepieces) und einem P90-Pickup mit Klingenmagnet (Blade). Na ja, das könnte ich jetzt noch prima weiter spinnen.

 

Eine Cort „HBS“ der ersten Serie mit einteiligem Swamp-Ash-Body ergattert man manchmal gebraucht für knapp 500 EUR.

Die darauf folgenden Serien - wie hier gezeigt - bekommt man je nach Zustand für 220 bis 350 EUR. Für den modernen vielseitigen Spieler wäre

nach einer Umstellung auf Duncan P-Rails bei diesem Instrument für meinen Geschmack insgesamt ein Optimum an Sound und Ergonomie erreicht

– man muss dann nur mit den Vintage-Frets klar kommen. 

 

 

 

 

Die Frage nach einer Neubundierung gerät gelegentlich zum Rechenexempel. Wer es nicht selber kann, geht zum Gitarrenbauer bzw. Servicetechniker.

Da wären dann Minimum locker 180 bis 250 EUR für Material und Arbeitszeit zu investieren, um neue Bünde auf das gute Stück zu bekommen.

Schnell schließen sich Überlegungen an, eventuell gleich den ganzen Hals zu tauschen. Mighty Mite, Allparts, Rockinger und viele andere bieten vernünftige Replacement-Necks an. Findet man einen Hals, der den gesuchten Maßen bei guter Qualität und ansprechender Machart sehr nahe

kommt, sind es manchmal nur 100 bis 160 EUR, die für eine Anschaffung fällig werden.

 

Originalitäts-Fetischisten schreien genetisch bedingt „Sakrileg“! Wenn man sich an den alten eingespielten Hals gewöhnt hat, wäre es natürlich schade, diesen auszutauschen. Wer hingegen für sich eine genaue Vorstellung entwickelt hat und Sorgfalt bei der Auswahl walten lässt, erfährt durch die Veränderung eben auch eine Verbesserung. Klar hat nicht jedes Gemurkse und Rumgefrickel am Instrument etwas mit Aufwertung und gar

Veredlung zu tun. Man muss halt sehen, was einem persönlich wichtig ist, dann ist der Rest eher egal. Wir haben bei diesem zweiten Exemplar

einer HBS Serie II (sunburst) den Hals gewechselt. Jetzt gibt es ein Ahorngriffbrett statt Palisander (Rosewood) mit Jumbo-Frets.

 

 

 

 

Letzte Woche im Proberaum bekomme ich vom Schlagzeuger zu hören, dass dieser sahnige singende HiGain-Sound (P-Rail/Humbucker/Neck)

zum besten gehört, was er jemals zu Gehör bekommen hat. So ein Lob am Ende eines Abends, der für ihn selbst überwiegend von gedämpfter Spiel-

laune und Müdigkeit bestimmt war, kam echt überraschend – schönen Dank! Ich nehme das mal stellvertretend für Hiram und Seymour entgegen.

 

 

 

C o r t   "H B S"   S i g n a t u r e   S e r i e  I

 

 

Hier kommt nun eine HBS aus der ersten Serie. Der Body ist noch zweiteilig. Stringretainers gab es wohl keine und wurden unsachgemäß

nachgerüstet. Das Instrument bringt nur angenehme 3,45 Kilo auf die Waage. Die Bodystärke liegt bei den sonst auch üblichen ca. 44 mm.

Der Vorbesitzer hat sie übrigens kürzlich mit dem Argument verkauft, sie käme auch direkt vom Gitarrenbauer neu eingestellt zurück. Da

kann ich mir, auch wenn die Bespielbarkeit ganz okay zu sein scheint, ein müdes Grinsen leider nicht verkneifen... 

 

 

 

 

Man merkt es nicht immer sofort, allerdings hier auch mal wieder kein günstiger Saitenverlauf über dem Griffbrett. Das wird unten schon knapp.

 

 

 

 

Wer sich die Dots als Lagenmarkierung zwischen D- und G-Saite anschaut, sieht schon, dass es hier wieder mal nicht so ganz optimal läuft.

Dazu fällt auch auf, dass der Rollensattel nicht ganz in der Mitte sitzt. Es ist zwar nur ein geringer Überstand auf der Seite der dünnen

E-Esaite, aber das wäre dann besser noch leicht anzupassen. Zwei Schrauben herausdrehen, versetzen und wieder schön befestigen.

 

 

 

 

 

 

Glücklicherweise lassen sich die Saitenreiter auf dem Tremolo schräg stellen und in dieser Position fixieren. So ist es ganz einfach, dass die

Saiten zentrierter über den Hals laufen. Die nachgerüsteten Stringtrees wurden ziemlich blöd montiert. Gleich zweimal wird dabei die H-Saite

bedient, statt die D-Saite mit einzubeziehen, die es auch nötig hätte.

 

 

 

 

 

 

So sieht es bereits besser mit dem Saitenverlauf aus. Wenn die Rollerstringtrees zu wenig Druck ausüben, einfach die Unterseite abschleifen.

Diese Modelle sind derzeit recht verbreitet und für 2,50 bis 3,00 Euro das Stück zu haben. Vorteil des dicken Fußes ist eben die Möglichkeit,

was davon wegzunehmen, um das der Kopfplatten/Sattel-Situation anzupassen.

 

 

 

 

Diese HBS wurde im Dezember 1999 zusammengebaut. Manchmal werden die Teile mittelfristig vorproduziert und nach Bedarf zusammen-

gesetzt. Dann kann u.U. ein Hals schon mal etwas älter als der Korpus sein oder umgekehrt. Rechts unten im Bild: Die Halsdurchbiegung wird nachjustiert. Der Halswinkel wird dann noch leicht korrigiert. Danach wäre meistens die Brücke - hier das Tremolo - etwas hochzudrehen.

 

 

 

 

 

 

Auf Wunsch des Besitzers wird ein P-Rails Humbucker von SD am Hals nachgerüstet. Dieses Mal mit einem On-on-on-Schalter für einen

abgewandelten Betriebsmodus: Humbucker, Parallelbetrieb und Singlecoil (kein P90). Favorisiert ist klanglich eindeutig die Parallelschaltung.

Das geht dann so etwas in Richtung SD Pearly Gates mit scheinbar weniger Output, was hier aber praktisch keine große Rolle spielt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommt immer wieder vor: Die Buchse hat sich mit der Zeit lose gewackelt. Kein Ding, muss man nur dran denken, eventuell eine fehlende

Zahnscheibe/Klemmring vorher noch dazunehmen. So ein Wackler macht sich im Proberaum immer ganz schlecht :-) So, jetzt fällt es mir

wieder ein. Hier erneut der Tipp, die Mechniken von A- und G-Saite zu tauschen. Dann hat die A-Saite etwas mehr Druck im Sattel und

für die G-Saiten ist es wegen des Saitenniederhalters ohne Bedeutung.

 

 

 

 

Diese Original-Pick-Ups sind noch nicht komplett mit Wachs ausgegossen, wie in der zweiten Serie und klingen daher offener und dynamischer.

Eigentlich jetzt kein zwingender Grund für einen Austausch. Aber Pickups sind Geschmackssache. Wir nehmen also einen Seymour Duncan.

Widerstände der Werkstonabnehmer: Bridge 7,9 kOhm, Middle 5,6 kOhm, Neck 8,2 kOhm. Bridge und Middle klingen sehr crisp, bringen also

eine hoch angesiedelten Brillanz zu Gehör.

 

 

 

 

Der Hals fühlt sich etwas schlanker als erwartet an.

Wir haben mal nachgemessen und haben hier die Werte.  

 

   Sattelbreite    43,1 mm     Halsstärke 1. Bund   20,5 mm

   Breite 5. Bund  48,3 mm    Halsstärke 5. Bund  21,0 mm

   Breite 12. Bund 51,6 mm    Halsstärke 12. Bund 21,6 mm

 

Das Stringspacing am Sattel liegt bei 7,5 mm (35,0 mm)

Das Spacing an der Brücke erreicht 10,5 mm (52,5 mm)

 

 

 

 

Wie klingt das nun im Vergleich? Wir haben diese HBS I mit der schwarzen HBS aus der zweiten Serie ausgiebig verglichen.

Nach den vorgenommenen Einstellungen sind sie schon recht ähnlich. Die Schwarze scheint mehr Frische, Definition und Transparenz

am Start zu haben. Begründet könnte das durch den dickeren Hals, höherem Gewicht und den nickelplated Steelstring von Ernie Ball

werden. Denn die HBS I wurde mit Pyramid Nickelsaiten versehen, die ohnehin weicher und milde daherkommen.

 

Vielleicht sollte man statt der Pyramids andere beziehungsweise dickere Saiten versuchen. Nicht vergessen zu erwähnen wollen wir,

dass in der Zwischenstellung von P-Rails am Hals und dem Singlecoil in der Mitte ein Out-of-Phase Sound zu hören ist. Das mag nicht jeder,

kann aber für Slideguitar recht interessant werden. Bisher ist die Schwarze immer noch die ungeschlagene Nummer 1.

Auch wegen der Vielseitigkeit mit der kompletten Seymour-Duncan-Bestückung. Ich bevorzuge persönlich auch den

dickeren Hals, der von der Stärke im gesunden Mittelfeld angesiedelt ist. 

 

Der Besitzer der HBS I hat auch die beiden Gitarren aus der zweiten Serie verglichen. Seinem Eindruck nach klingt die schwarze HBS II

ein weinig nach seinen PRS-Gitarren, während die HBS II Sunburst mit dem nachgerüsteten Mapleneck am ehesten nach Fender Strat klingt.

Prima Gitarren, kann man nur empfehlen und unter Umständen mit den Pickups etwas experimentieren.

 

 

 

 

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