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  • Esaite-Berichte: Fender Classic Player 60 Stratocaster (Mexico)

 

 

 

Im letzten Bericht hatten wir ja bereits die Fender CP 60 Strat MiM (Made in Mexico) kurz der PRS SE EG Tremolo (Korea) quasi als

Referenz gegenübergestellt. Die dort aufgeführten Daten liste ich mit Ergänzungen hier noch einmal auf.

 

   Das Gewicht liegt bei 3,66 Kilos.

   Der Erlen-Korpus weist ein Stärke von 45,8 mm auf.

   Die Materialstärke der Kopfplatte liegt bei ca. 14,5 mm.

 

   Als Pickup-Widerstände messe ich in KOhm

   Bridge 5,63, Middle 5,59, Neck 5,63

 

   Halsbreite am Sattel 42,6 mm

   Halsbreite am 5. Bund 47,0 mm

   Halsbreite am 12. Bund 51,2 mm

 

   Halsstärke am 1. Bund 21,3 mm

   Halsstärke am 5. Bund 22,3 mm

   Halsstärke am 12. Bund 23,6 mm

 

   Two-Point-Trem mit Zinkguss-Block

   Breite der Saitenreiter 10 mm (US-Strat 11,2 mm)

   Ahornhals mit Palisandergriffbrett

 

   Saitenabstand E zu e (Mitte) Brücke 52 mm (wie Wilkinson)

   Saitenabstand E zu e (Mitte) 12. Bund 44 mm

   Saitenabstand E zu e (Mitte) Sattel 35 mm

 

 

 

 

Worauf meist alles früher oder später hinaus läuft, ist die Frage: Ja, wie klingt denn die? Also, kommen wir dieses Mal zügig zur Sache und ich sag mal: Spielfreude pur. Akkorde stramm und geschlossen. Alles mit wunderbarem Attack. Der atemreiche Tonverlauf entwickelt sich ausgeglichen und dem grandiosen Schwingungsverhalten angemessen. Ich halte mich weiterhin knapp: Ein Klang mit erstaunlicher Strahlkraft, der sich förmlich im langen

Sustain aalt. Wie immer bei Fender knochige Bässe, offene Höhen mit fast schon akustischer Transparenz. Plastisch, trennscharfe Tonbilder

sind hier ganz selbstverständlich. Nach sattem Anriss mündet man bei bester Dynamik in ineinander schmelzenden Linien. Ohne Frage gibt es auch den knurrigen Sound mit dem gesuchten charaktervollen kompakten Growl im Zerrmodus. Noch irgendwelche Fragen?

 

 

 

 

Mal was anderes: Wie konnte es zu dieser Gitarre kommen? Zunächst einmal waren die drei bis vier Fender Baja Teles überzeugend, welche ich über die Jahre in die wurstigen immer wieder gierig zitternden Finger bekam. Fenders beliebteste Custom Shop Features fanden bei niedrigen mexikanischen Produktionskosten hier ihren Niederschlag. Dazu gesellte sich bei Freunden die eine oder andere Mexico Standard Strat

mit vorzüglichen Klangeigenschaften. Die guten Pickups und das 2-Punkt-Tremolo kamen als Argumentationshilfe gerade recht, als ich mich in das

Sonic Blue verguckte. At this price I can't resist...( 580 €) Also einmal tief Luft holen und die Bestellung raushauen.

 

Der Kurier-Fahrer von DPD wird zwar wieder dicke Backen machen, wenn er mir den großen Karton vor die Türe schleppen muss, aber genau das

ist ja eigentlich sein Job. „Hier hast Du Deinen Scheiß“, traute er sich beim letzten Mal, als er meine Unterschrift für die Quittung kassierte.

Wenn das mal nicht inkognito Günter Wallraff war!? Ach, der war ja bei GLS...

Recht hat er, ohne es zu wissen. Falschlieferungen und fehlerhafte Ware kommen oft genug vor. Die rauben einem dann die Zeit mit der Abwicklung

wobei die Laune manchmal auch schnell in den Keller wandert.

 

Als die Sonic Blaue 60 Strat eintrudelt, ist aber alles in Butter. Das Gigbag ist ganz hübsch anzusehen aber in der Ausführung eher mager bis wenig erquicklich ausgefallen. Vielleicht ganze 10 mm Fütterung und, dass die Clips der Reißverschlüsse immer so schnell abbrechen. Die Gitarre selbst macht dann aber wieder mehr Spaß und sieht nicht nur gut aus. Schon trocken gespielt fühlt sie sich verheißungsvoll an und macht neugierig auf den elektrisch gewandelten Ton. Wenig salbungsvoll kann man sagen, rund herum überdurchschnittlich.

 

Wenn die Produktion auf diesem Niveau gleichbleibend ist, kann man nur dazu raten, sich schnellstens so ein Teil zu besorgen, wenn man noch keine Stratocaster im gepflegten Sortiment hat. Den Bonanza- oder Ricky King-Sound findet man eher beim 50er-Jahre-Modell. Dieses Exemplar erfreut das Herz bevorzugt mit bluesigen und rockigen Sounds. Wobei ohne Frage die Clean-Abteilung gleichermaßen erfrischend gerätetypisch knackig daher kommt. Mit einem Korpus aus Erle hat der drahtige Ton natürlich seine Grenzen und wird kaum zu knallig oder nie böse aggressiv, sondern

bewahrt seine freundliche Milde aus einer gewissen holzbedingten Wärme heraus. Bisher begeisterte mich am meisten die Kombination

dieser Strat mit einem Fender Supersonic 60 Head into 2 x 12“: Den Deluxe-Modus für Clean und im Burn-Kanal die Vorstufen voll aufgedreht.

 

 

 

 

Gefummel. Die Ausdrucksmöglichkeiten beim Tremolieren fand ich immer schon reizvoll und eigne mir nach und nach Einiges dafür an, so dass ich auch fernab von Floyd-Rose und Klemmsattel ein besonderes Augenmerk auf die Stimmstabilität legen muss. Wie so oft schleife ich auch hier den Sattel

von oben etwas ab, damit die Saiten weniger Ansatzpunkte für ungewünschte Reibung an den Wänden der Schlitze bekommen.

 

Klemmen sollen die Saiten nicht in den Kerben. Und zu viel Spiel macht den Sattel unbrauchbar. Ziemlich optimal wäre es wohl,

wenn die Saiten nur zu rund 75% in den Schlitzen liegen. Das reduziert die Reibung, aber gibt noch ausreichend Seitenhalt für das Saitenziehen.

Träum schön weiter. Manches Mal ist es eben nicht der Sattel, sondern die zu billigen oder ausgenackelten alten Mechaniken bzw.

einfach zu viele Wicklungen um deren Achsen.

 

 

 

 

Gefummel, die Zweite. Ein bisschen mehr darf es schon sein. Mensch, ich denke 150 Gramm und ich hör mich beim Türken sagen

„So 200 Gramm Tzaziki, bitte“. Schlussendlich sind es dann über 300 Gramm im Plastiktöpfchen. Nö, das will ich heute nicht ausgeben und

werde ich schon gar nicht aufessen.

Für mehr Glitzer und Glasigkeit tauschen viele Strat-Leute mit Blick auf eine Extra-Portion in Ton und Kompression auch schon mal den Metallbock ihrer Tremoloeinheit aus. Vor Jahrenden nahm ich einen Edelstahlblock für eine einfache Mexico-Strat mit Zinkgussblock. Das Ergebnis war ernüchternd. Das vorher rotzig Rockige ging verloren. Was blieb oder kam spottet jeder Beschreibung. Zumindest nach damaligen Vorstellungen und Gewohnheiten hatte das Ding schnellstens die Gitarre wieder zu verlassen.

 

Jetzt probiere ich mal die neuen auf alt gemachten Tremolofedern von Raw Vintage. Sie wiegen mit 10 Gramm so viel wie die

aktuell von Fender eingesetzten Federn, sollen aber eine Metallstruktur wie die Ersten aus den fünfziger Jahren besitzen. Ich setze sie in den vorhandenen Zinkgussblock ein und... höre keinen nennenswerten Unterschied. Was beim Einsetzen passierte, ist dass das Tremolo hoch kam.

Das heißt, die Federkraft bzw. der Zug ist geringer als bei den Werksfedern. Folglich habe ich die Spannung der Federn mittels der dafür

vorgesehenen Schrauben erhöht. Hierbei immer die Normalstimmung der Saiten im Blick behalten. Der Block mit der Kennzeichnung PW-29

ist das Originalteil. Etwas Schaumstoff dämpft das Mitschwingen der Federn.

 

 

 

 

Vielleicht erst einen neuen Block und dann die Federn tauschen? Ach, egal. So ist es erst einmal nix. Ich besorge dann doch einen Eisen (-Guss-?) Block (magnetisch), der der Highway One Serie entstammt, verwende weiterhin die neuen Raw Vintage Springs und...bin klanglich auf das Angenehmste noch mehr verwöhnt. Die Wahrheit. Der stählerne Block erreicht zusammen mit den neuen Federn einen Zugewinn an Klarheit. Was mir nicht immer leicht in ansprechende Worte zu fassen gelingt, wäre mit einem schlichten „klingt besser“ eigentlich erledigt.

 

Nur das betrifft allerdings vielleicht ausnahmslos meinen Blickwinkel, Geschmack etc. beruhend auf den vorhandenen Hörgewohnheiten und sonstigen Möglichkeiten oder Einschränkungen. I can see, said the blind man. Mit der Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Ja, wie klingt denn die? hatte ich mich ja anderen Orts bedienend ein klein wenig über die überbordene, mir gelegentlich zu blumig geratene Ausdrucksweise in der Fachpresse lustig gemacht. Hoffentlich hat das auch jemand bemerkt. Zugegebenermaßen ist das alles Unerfahrenen gänzlich kaum zu vermitteln. Die können nur der Meinung der anderen vertrauen (den Spezialisten oder der großen Mehrheit hinterher) oder eben nicht.

 

 

 

 

Ich fühle mich stark an die Story von meinem ersten Edelbass erinnert.

Dieter (Filialleiter im Drogeriemarkt von Herrn Wöhlke) hat noch nie irgendwas auf einem Saiten-Instrument gespielt. Kauft aber politisch völlig korrekt als blutiger Anfänger gleich das Top-Equipment: 4.000 Mark für einen Warwick Streamer Stage II und einen 300 Watt/4 x 10“ Trace Elliot Combo für schlappe 2.990 Mark. Das war damals oberstes Regal. Gut 9 Monate weiter hat Dieter herausgefunden, dass man üben muss und

mittlerweile keine Sau mehr wissen will, wie teuer seine Bassanlage ist. Die altbewährte Regel

„Haste was, biste was“ verwandelt sich für Dieter in „Geben ist seliger denn nehmen“.

 

Der ganze Krempel wanderte zum halben Preis zu mir. Damit noch nicht genug. Der Trace Elliot war über kurz oder lang zwar nicht für die Wohnung (mich), denn aber für die Nachbarschaft einfach zu laut und schwupps war er weg, weil günstig weiterverkauft. Diese Schicksal teilte auch der feine Warwick Bass (deutsche Spector-Adaptation). Ich weiß es noch wie gestern. Jetzt nur noch für 1.350 Mark ging das Prachtstück zu einem, der es nicht glauben konnte und von mir einen Schrieb wollte, dass dies auch wirklich mein Bass sei. Nicht geklaut und nicht als Sicherheit für eine Finanzierung mit den Rechten des Ladens behaftet.

 

Warum dieses Verramschen? Das Teil war einfach zu schön und zu teuer. Ich mochte es damals keinem anderen unbefangen in die Hände drücken (Kratzer und Wertverlust durch unsachgemäße Behandlung). Dazu kamen meine noch eher bescheiden entwickelten Fähigkeiten als Bassmann.

Ich konnte bei dem Bass einfach nicht das Potential ausschöpfen. Alles wurde passender mit einem alten leicht abgewarzten endsiebziger Fender Jazz Bass in diesem ungeilen Kack-Sunburst (zuviel Rotanteil). Da ging es mir um natürliche Gelassenheit, die musikalischen Basics und nicht

um Kult oder Image. Hätte ich den Streamer jahrelang im Koffer unterm Bett schmoren lassen, hätte ich mich heute sicher gefreut.

Da draußen gibt es aber genug Bässe für alle und für jede Entwicklungsphase was Passendes.

 

 

 

 

Weitschweifige wohlintonierte Lobgesänge auf Gitarren und Bässe in einer Preisregion zwischen, sagen wir mal, 2.500 € und unendlich sind unterhaltsam, versetzen mich nicht mehr in blankes Erstaunen und huldvolles Schmachten. Wer weiter wachsen will, kann gut auf Zuwachs hin ganz klar ruhig etwas mehr investieren. Wer seinem Ehrgeiz oder alltäglichen Anforderungen woanders gerecht werden muss, dem reicht mit Sicherheit für lange Jahre die solide gehobene Mittelklasse. Wenn es um Schönheit geht, kauft man sich ein hübsches Bild oder 'ne Gitarre mit spektakulärem Deckenfunier

für 250 € für die Wand. Die 60ies Stratocaster aus Fenders Classic Player Reihe bietet für meinen Geschmack sehr viel "echten" Strat-Sound

und wird bei vielen die Suche nach "der" Strat schlagartig beenden. Die Bastler unter den Gitarristen haben hier jedenfalls von Haus aus

nicht viel zu tun.

 

 

 

 

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